Echyra

Die Gegend der Welt, die man "Echyra" nennt, besteht aus den Regionen des Phalopos, Phalis und Phalastrios, sowie dem Arroië, Eneathia und Charta - wobei die Zugehörigkeit dieser Regionen zu Echyra nicht unumstritten ist.


Phalopos, das "Altland", ist streng genommen die Landenge zwischen dem Derathion und dem Phasa Karassa - etwa von Nexos im Süden bis Draspon und Chalix im Norden. Jedoch wird häufig das gesamte Festland, auf dem die Echyren siedeln als Phalopos bezeichnet. Das echyrische Mutterland gilt - für die Echyren - als Geburtsort aller Zivilisation und Wissenschaft; aber auch als tradtionsverhaftet und konservativ.


Der Phalis ist das Hügelland um den Fluss Arkaias, es reicht grob von Raho und dem Berg Meloras im Süden bis hinauf nach Nephalos, wo der Stissos in den Arkaias mündet. Heute weiß niemand mehr, warum diese Landschaft "Phalis" genannt wird, gleichlautend mit dem Namen des Gottes der Jugend. Es gibt viele Sagen, die davon erzählen, dass alle Phaliser von Gott Phalis abstammen, aber wer kann das schon bestätigen? Man sagt den Phalisern, die meist ein einfaches Leben als Hirten und Bauern führen, nach, sie hätten die schönsten Knaben Echyras - was den Phalis zu einem bevorzugten Ziel von Raubzügen, sowohl der Eneathen, als auch Sklavenfängern aus anderen Ländern.

Die phalische Stadt Nephalos wirkt im sonst eher bäuerlichen Phalis irgendwie fehl am Platz: Die quirlige Stadt it das Zentrum des echyrischen Handels mit den nördlichen Völkern der Erseven, Gisuvaten und Cheder.


Der Phalastrios, das "Sternenland", ist eine erst vor wenigen Jahrhunderten besiedelte, große Insel im Derathion. Es wird auch als Phalenyos "Neuland" bezeichnet. Obwohl sich der Begriff ursprünglich nur auf die eine große Insel mit den bedeutenden Städten Hythere, Ephoses, Zortyne und Chalihanes bezogen war, dient er heute auch oft als Bezeichnung der ganzen Inselwelt des Derathion; manchmal mit der Ausnahme der Insel Charta.


Das Arroië, die "Hügelgrenze", wird erst seit 50 Jahren offiziell als Teil Echyras betrachtet. Selbst heute noch, bezweifeln viele die Zugehörigkeit dieser Landschaft und seines Volkes zu den Echyren. Da jedoch König Xentos von Arros nachweisen konnte, dass sein Vorfahr Arkodorides vom Gott Asiranas abstammt, gelten die Arroiën offiziell als Echyren.

Historisch gesehen, stimmt diese Zurechnung teilweise. Das arroische Königsgeschlecht geht tatsächlich auf Arkodoros, einen echyrischen Söldnerführer aus Draspon zurück; durch seine Eroberungen kam eine echyrische Adelsschicht ins Arroië. Doch die einfache Bevölkerung bestand weitestgehend aus Arbaren. Seit Arkodoros Zeiten kam es zwar zu einer Vermischung von Echyren und Arbaren, aber für die Mehrheit des arroischen Volkes würde die Bezeichnung "Arbaren mit echyrischer Sprache und Kultur" zutreffender sein - wobei die echyrische Sprache und Kultur eigentlich auch das einzig verbindende unter den anderen echyrischen Stämmen darstellen.

Das Arroië ist ein wildes Land, das unter ständigen Einfällen raubender Arbaren aus dem Nordwesten leidet. Es gilt im restlichen Echyra als rückständig, kriegerisch - es ist der Rand der zivilisierten Welt. "Jemanden nach Arros schicken" bedeutet im Phalopos soviel, wie jemanden unehrenhaft entlassen oder fortjagen.


Eneathia ist die Heimat eines - für echyrische Begriffe - äußerst seltsamen Volkstammes, der nach seiner Heimat (oder seine Heimat nach ihm) Eneathen genannt wird. Bei den Eneathen ist es nämlich üblich, dass ausschließlich Frauen Krigerinnen werden und der gesamte Adel der Eneathen besteht nur aus Frauen. Nun ist es keineswegs unüblich, dass Frauen zu Kriegerin werden, das gibt es überall in Echyra, es ist die Ausschließlichkeit. Die Männer der Eneathen besitzen ausschließlich den Status als Sklaven. Frauen und Männer leben getrennt; die Männer zum Teil in abgeschotteten Dörfern, die eher an große Sklavenlager erinnern. Die Eneathen sind erst seit wenigen Generationen sesshaft, zuvor streiften sie als Reiternomaden durch ein Gebiet, dass von den Städten Nerphis, Nephalos, Raho und Draspon eingerahmt wird. Auch heute noch, ehren die Kriegerinnen ihre Pferde und sind gefürchtet, für ihre blitzartigen Überfälle auf die Dörfer in den Grenzregionen. Erst ihre jetztige Königin hat sich darum bemüht, diplomatische Kontakte mit den Nachbarn aufzunehmen, die nicht nur aus Krieg, Raub und Schutzgelderpressung bestehen.


Charta ist eine große Insel im westlichen Derathion in deren Mitte (zumindest den zeitgenössischen Karten nach) die Stadt Nessus liegt, im Hügelland, das von den beiden Bergen Tyris und Eiras eingerahmt wird. Charta ist durch seine Nähe zu den Südländern gekennzeichnet. Seine Bewohner sind eine bunte Mischung aus Echyren und Kaphtenern, manche zählen gar Demarer zu ihren Vorfahren. In Nessus befindet sich der große, alte Königspalast, der einst von Enor, einem Helde der Vorzeit, gebaut wurde. Er soll über den Überresten eines altvorderen Palastes oder Tempels errichtet sein. Heute residiert hier der Paisedoros, der Stierkönig. Er ist der Herr über Charta, auch wenn sein Amt eher ein priesterliches ist und die wahre politische Macht in den Händen einiger Kaufmannsfamilien liegt.

Für die meisten Echyren ist Charta ein fremdes, exotisches Land. Seine Kultur ist im Kern echyrisch, jedoch durchdrungen von der Kapthenischen. So besitzt die Göttin Ischma hier eine große Beliebtheit und auch der Vegetationsgott Athun wird von den Chartanern verehrt. Der echyrische Sonnengott Phabis wird von den Chartanern auch als Gott des Gewitters verehrt, ganz so wie es bei den Kaphtenern üblich ist.