Aufstieg und Fall

oder

Verborgene Herrscher

Iderusa ist in Aufruhr! Caisus Atelinus Rator, der geliebte und beliebte Feldherr, wurde ermordet! Anstatt seine Mörder, selbst hoch angesehene Mitglieder des gesetzgebenden Priesterrates, zu verhaften und für ihren Hochverrat zu verurteilen, nennen manche Leute sie auf der Straße "Retter des Mutterlandes" und man munkelt, dass Rator selbst posthum zum Hochverräter ernannt werden soll!

Drei Dinge, die du über Iderusa wissen solltest

Der Bürgerkrieg

Fulus Aprius Malco, der als Lurumis Tamnitum die rechte Hand des ermordeten Drunators Caisus Atelinus Rator war, führt als dessen Stellvertreter de Facto die Herrschaft seines Freundes und Weggefährten fort, geduldet vom in sich zerrissenen Cipetorium und den Ursatrices. Doch Satia Sarvelia Ecisia, die Wortführerin der Isacierer und die Mörder des Drunators befinden sich nicht nur in Freiheit, sondern auch noch in Rang und Ehren. Während auf den Straßen die Rufe nach Rache am Tod des geliebten Feldherren erklingen, erschallen auch die Rufe seinen Mördern, den "Rettern des Mutterlandes" einen Tempel als Ehrenmal zu stiften.

 

Offiziell gibt es keinen Bügerkrieg im Idersusichen Bund. Inoffiziell hat er längst begonnen, doch die Fronten sind noch nicht deutlich. Das Militär, die stärkste Machtbasis des ermordeten Drunators, ist gespalten, manche halten Aprius die Treue, während andere im Sohn des Ermordeten, Vel Atelinus Rator, den rechtmäßigen Herrscher sehen; und andere sehen sich jenseits aller Treue ihren Führern gegenüber als Diener des Mutterlandes und seiner, ihrer Mütter. Die Mechis Imnitrices, die regionalen Fürstinnen, stehen nicht geschlossen hinter den Ursatrices und den Iscariern, den Verfechtern der traditionellen Mütterherrschaft. Selbst die Ursatrices sind sich uneins, ist doch eine von ihnen die Schwester des Ermordeten und Tante seines designierten Erben.

Freundschaft & Feindschaft

Doramitia ("Freundschaft") und Hidoramita ("Nicht-Freundschaft") prägen das Denken in Iderusa. Wer nicht mein Freund ist, ist mein Feind. Es gibt keine Grautöne, keine Neutralität. Und weil die Bürger des Iderusischen Bundes nur Doramines seien können, kann es gar keinen Bürgerkrieg unter ihnen geben.

Doch diese alte Ansicht, die immer noch als Doktrin über allem staatlichen Handeln steht, ist seit Generationen aufgeweicht; je mächtiger der Iderusische Bund wurde, desto mehr verkamen "Freundschaft" und "Feindschaft" in seinem Inneren zu hinderlichen Phrasen. Die Bürger haben haben erkannt, dass Graustufen hilfreicher sind, dass es Neutralität geben kann ... doch in der Politik haben diese Worte immer noch Gewicht und sie erfüllen meist noch ihren Zweck.

Iderusisches Recht

Der Iderusische Bund besitzt eine alte Rechtstradition, die jeden seiner Bürger schützt und alle betrifft, die sich auf dem Gebiet des Bundes aufhalten. In allen iderusischen Städten stehen die großen Gesetzestafeln auf dem Versammlungsplatz, die es jedem Bürger erlauben sein Recht zu erkennen und zu beanspruchen und dort werden auch die neue Gesetze veröffentlicht. Kein Verbrechen, keine Strafe ohne Gesetz - aber auch keine Politik. Was innerhalb einer Region nicht von der Carsia Cepenia und auf Bundesebene nicht vom Cipetorium Ritatum Cepenarum beschlossen wurde, ist nicht rechtens, weil es kein Gesetz ist. Die Esiderationes eines Drunators waren die einzige Ausnahme, doch erlosch auch ihre Gesetzeskraft, sobald die Amtszeit des Drunators beendet war, wenn sie bis dahin nicht vom Cipetorium rechtmäßig erneuert wurde. Auch wenn Caisus Atelinus eine lebenslängliche Amtszeit genoss, sein Tod bedeutet eigentlich das Ende all seiner Gesetze - von denen er in den letzten Jahren eine gewaltige Zahl am Cipetorium vorbei erlassen hatte ...

 

Das Iderusische Recht hat eine alte Tradition, aber was ist es heute noch wert?

Drei Aspekte, die Iderusa bestimmen

Die Macht der Frauen

Das Drunum Isca - die "Macht der Mutter" - ist einer der höchsten Ausdrücke weiblicher Souveränität und sichert dem weiblichen Familienoberhaupt eine Vielzahl von Rechten und Privilegien. Die Frau bedeutet in Iderusa viel, mehr als der Mann - politisch, rechtlich und sozial.

Auch wenn in den letzten Generationen Männer sich mehr und mehr Rechte erstreiten konnten: Die Frau bleibt vom Gefühl her das höhere Wesen, der wertvollere Bürger.

Ein Mann darf nur mit einer Frau eine Ehe eingehen; eine Frau darf mehrere Männer ehelichen.

Die Macht der Männer

Männer sind traditionell weniger Wert als Frauen, doch das Militär ist traditionell ihr Bereich. Innerhalb der letzten Generationen hat sich das Militär zu einer männlich dominierten Parallelstruktur zum weiblich dominierten Iderusischen Bund entwickelt und Caisus Atelinus Rator erst ermöglicht, die Macht der Ursatrices herauszufordern. Im Militär haben Frauen nichts zu suchen, die vom Militär eroberten Proseciliae stehen unter männlicher Herrschaft. Ist es nicht mehr wert, sein Leben für das Mutterland zu riskieren, als von Natur aus mit Weiblichkeit gesegnet zu sein?

Die Macht der Stände

Lautani, Tamnites, LedesEteri - Sie alle bilden das Nimitum, "das Volk". Nicht nur das Gesetz sieht besondere Berücksichtigung der Herkunft aus diesen Ständen vor, auch die Gesellschaft stellt ihre Erwartungen. Die Iderusen sind ein Volk, doch erst der Stand bestimmt wie frei jeder ist.

Die Eteri sind die Sklaven, die nach iderusischem Recht keine Dinge sind, aber wie Kinder unter dem Schutz und der Herrschaft einer Isca stehen; auch Fremde fallen in diese Rechtskategorie. Man erwartet, dass sie gehorchen. Doch eigentlich gibt es diesen Stand nicht, denn der Sklave eines Adligen ist manchmal besser dran als ein normaler Bürger, während ein Sklave in den ambrischen Bergwerken sich zu Tode arbeitet. Ersterer wird wahrscheinlich von seiner Mutter irgendwann entlassen und darf sich Ledes  nennen; letzterer hat diese Aussicht so gut wie nicht.

Die Ledes sind die freie Bürgerschaft des Bundes, sie sind dem Gesetz nach frei, auch wenn gesellschaftliche Zwänge sie meist in die Abhängigkeit von Tamnites oder Lautani bringen. Manche Familie ist stolz darauf, seit Gründung des Bundes diesem Stand anzugehörigen, während viele Mitglieder dieses Standes erst durch die Entlassung aus der Sklaverei in ihn aufstiegen - oder aus einem höheren Stand hier herabfielen.

Die Tamnites sind die Reichen und Erfolgreichen; ihr Stand ist gar nicht so alt und die meisten von ihnen waren noch vor anderthalb Jahrhunderten Ledes - bis sich die Geldgeber eigene politische Rechte erstreiten konnten. Was in anderen Regionen der Toraja der Adel wäre, sind in Iderusa die Tamnites - mit der wichtigen Ausnahme, dass ihnen die höchsten politischen Ämter gar nicht offen stehen, denn die sind für den wahren Adel reserviert. Der chronische Geldmangel des Adels sorgt aber dafür, dass viele Tamnites indirekt ihren Einfluss gelten machen können, wie einst Talyros gesagt haben soll: Geld regiert die Welt.

Die Lautani sind der wahre Adel und die alte Priesterkaste Iderusas, diesem Kreis auserwählter Familien anzugehören bedeutet Zugang zu den höchsten Ämtern des Bundes zu haben, die eigentliche Macht im Staat zu sein, sich durch das Raigurium, die Gabe den Willen der Götter deuten zu können, vom einfachen Volk abzuheben.

Drei Gemeinschaften, die du kennen könntest

Das Cipetorium

Eigentlich Cipetorium Ritatum Cepenarum, "die Zusammenkunft der Ältesten der Priesterschaft", ist das gesetzgebende Organ des Bundes und war in alter Zeit sein Herrscher. Einmal ins Cipetorium aufgenommen, besitzt die Cipetrix (oder seit wenigen Generationen auch der Cipetor) seinen Platz für den Rest seines Lebens und sitzt damit bis zum bitteren Ende an der Quelle staatlicher Macht. Aus seinen Reihen stammen die Silcae, die höchsten Beamten, aus seinen Reihen werden die Ursatrices gewählt. Seine Gesetze formen den Staat.

 

Doch das Cipetorium ist kraftlos und zerstritten, seine Einigkeit in ungezählte Fraktionen zersplittert. Die ehrenwerte Versammlung ist zum Spielball anderer Mächte geworden, nicht erst in diesem Bürgerkieg.

Die Cecutores

Der iderusische Bund ist stolz auf seine Initatores, seine Zauberer und Zauberinnen, deren fortschrittliche Magie ungesehen in vielen Lebensbereichen das Leben der Städter erleichtert - sei es bei elementaren Dingen wie der Wasserver- und Abfallentsorgung, in der Medizin oder den Schauspielen. Doch jeder Initator steht unter der steten Gefahr durch die Verführung des Anderdunkels zu einem Inator, einem Verderberzu werden: Die Cecutores Versis, die "Hüter der Flamme", sind die "Magiepolizei" des Bundes; sie machen Jagd auf gesetzesbrüchige Zauberer, Geisterpaktierer und Verderbte.

Sie sind gefürchtet, denn die Versuchung durch magische Zauber ein Gesetz zu brechen ist allgegenwärtig - es gibt derer so viele ...

Die Aritiae

Die Nachtigallen waren lange ein Gerücht, ein Flüstern in dunklen Gassen. Heute weiß man: Es gibt die Nachtigallen, die Aritiae - doch wer kann schon mit Sicherheit sagen ob es sich bei ihnen um die Truppe eines Adligen, eine Geheimpolizei im Dienst des Bundes, ein machtvolles Diebeskollegium oder gar um einen Kult handelt?

Drei Orte, die immer eine Reise wert sind

Nemur - Sans Sparis, Spur esperna, Isca Corniti

Nemur ist die Hauptstadt des Bundes, Sitz des Cipetoriums und der drei Ursatrices, Versammlungsort der großen Volksversammlung. Man nennt Nemur Sans Sparis, das "Haupt der Welt", Spur Esperna, die "ewige Stadt" oder auch Isca Corniti, die "Mutter des Bundes".

Das politische Zentrum ist eine quirlige Metropole, die überquillt an Menschen. Jeder, der Macht im Bund anstrebt kommt her, und jeder, der von denen profitieren will, die nach Macht streben.

 

Doch warum gibt es im Zentrum der Stadt, zwischen dem Versammlungshaus des Cipetoriums und dem Palast der Ursatrices diesen kleinen Tempel des Gottes Astatus, der nicht nur als Wahrer der Eide gilt, sondern von dem man auch sagt, er hüte den wahren Namen der Stadt - wozu?

Caisara - Aufstieg zu den Göttern, Abstieg in die Hölle

Caisara in Ambria ist eine uralte Stadt und wie die meisten Siedlungen in dieser Gegend von Bergbau und Metallverarbeitung geprägt. Sie "genießt" den Ruf die dreckigste Stadt des Bundes zu sein, doch sie ist gleichsam die heiligste. Noch vor den Tagen des Bundes war sie Pilgerzentrum und viele Mythen und Geschichten kreisen um sie und ihre Umgegend. Hier, auf dem Gipfel des Berges Ivaris sollen Eteus und Ana, die beiden göttlichen Schutzherren des Bundes, auf die Toraja hinabgestiegen sein um nach all dem Streit und den Kriegen Aula Nemuria den Auftrag zur Gründung des Bundes zu geben. Hier, hinter den schwefligen Dämpfen des Blaidus, soll der Einstieg zur Unterwelt, dem Reich von Eterul liegen, bewacht vom grausamen Monster Curusul.

 

Doch warum haben die Cecutores die Bergleute, die im inneren des heiligen Berges nach Metallen schürfen, unter so strenger Aufsicht? Freilich, es sind einige Initatores unter ihnen, die durch Zauberei Stollen vorantreiben und abstüzen, aber ist diese Menge wirklich gerechtfertigt?

Clavesa - Du wirst nirgendwo mehr Abschaum versammelt finden

Clavesa ist eine lebendige Hafenstadt in Vincena - es ist DIE Hafenstadt, über die aller Seehandel, der über Nexos kommt oder nach Nexos geht, abgewickelt werden muss. Unter den wachsamen Augen der Fürstin Caisia Lapicana Arca wimmelt es hier nur so von Händler, Seeleuten und all dem Gesindel, das Handel und Reichtum anlocken. Hinter vorgehaltener Hand flüstert manch einer, dass Caisia Lapicana nicht nur die Fürstin (Imnitrix) der Stadt (Mechis) sondern auch der Schurken (Scurices) sei. In Clavesa, so heißt es, könne man alle Waren der Welt erwerben und alle nur denkbaren Dienstleistungen erhalten - wenn man genug Geld mitbringt.

 

Doch warum hat sich Vel Atelinus Rator ausgerechnet in diesem Sündenpfuhl seinen "sicheren Hafen" eingerichet und nicht in oder bei Nemur oder Belasa, der alten Machtbasis seiner Familie? Ist er verwegen genug, Söldner, Diebe und Gesindel in seine Dienste zu nehmen? Oder ist der "Erbe des Drunators" nichts als ein Spielball verbrecherischer Interessen?

Drei Personen, deren Namen man überall kennt

Fulus Aprius Malco - Der Starke Mann

Als Lurumis Tamnitum war Aprius Malco der engste Vertraue des verstorbenen Drunators, sein Stellvertreter und seine rechte Hand. Jetzt versucht er die Macht, die er dem Abglanz seines alten Freundes verdankt, mit schlachtgestärker Hand festzuhalten. Für dem Moment scheint er das Heft noch in der Hand zu halten, doch von überall zerrt es an ihm - wird er sich behaupten können?

Vel Atelinus Rator - Der Erbe

Vel Atelinus Rator wurde von seinem Vater, dem verstorbenen Drunator, als Erbe eingesetzt - eine heikle Sache. Nicht nur, dass es äußerst ungewöhnlich für einen Mann ist, etwas zu vererben oder trotz der Existenz von Schwestern und anderen engen weiblichen Verwandten zu erben; durfte der Drunator das überhaupt? Sind die Gesetze nach denen er diesen männlich-monarchischen Akt vollzog überhaupt gültig? Nach welchem Recht beansprucht der junge Sprössling die Herrschaft im Bund?

Satia Sarvelia Ecisia - DIe Ehrenwerte Mutter

"Im Leben einer Mutter gibt es zuweilen den Tag, an dem sie, trotz aller Güte, sich entscheiden muss, entweder ihr geliebtes Kind vom Weg abkommen zu lassen, so dass es von seinen Taten und seiner Umwelt verdorben wird und durch sich die Ehre der Familie verdirbt, oder diesem einst so geliebten Kind Einhalt zu gebieten, es zur Vernunft zu rufen, es zu schlagen und sollte es sich töricht, sturr, ja sogar verstockt zeigen zum Äußersten zu greifen und es erwürgen. Jede Mutter hat das Recht dieser Entscheidung. Auch ihr, versammelte Mütter, habt als Mutter des Staates die Verantwortung euer Kind zur Vernunft zu bringen; und weil es sich nicht zur Vernunft bringen lassen will, so ist es eure Aufgabe, versammelte Mütter, zum Äußersten zu greifen!" Sarvelia Ecisia ist die wortgewandte Führerin der Iscarier, jener "Partei" im Staat, die die Macht der Mütter, der Frauen, wiederherstellen und festigen wollen. Ihre Reden, vielleicht sogar ihre aktive Verschwörung zum Mord am Drunator, machen sie zur Gallionsfigur - und polarisieren: Die einen sehen in dieser ehrenwerten Mutter die Retterin der Mutterlandes, die anderen verteufeln sie als hinterlistige Mörderin. Als was wird sie in die Geschichte eingehen?