Es ist nicht alles Gold was glänzt

Die Dreizehnte Verderbnis

Das Zeitalter der Antike wurde von den 12 großen Verderbnissen geprägt, welche die Bekannte Welt heimsuchten und weite Landstriche mit Krieg und Verderbnis überzogen. Gemeinhin wird die Zweite Gisuvatische Verderbnis als Schlusspunkt des Zeitalters betrachtet, doch, wie ich im Folgenden niederlegen werde, gab es eine 13. Verderbnis zu einem sehr viel späterem Zeitpunkt.

Meine Historikerkollegen bezeichnen die Große Goldkrise als Endpunkt der Hohen Klassik und beginn einer Phase, die wir gemeinhin als Spätklassik bezeichnen, doch was war diese Große Goldkrise?

 

Die großen Kriege zwischen Arrovelosia und dem Drunum Iderusorum führten zu massiven Belastungen der Reichskassen. Soldaten und Söldner verschlangen Unmengen an Gold, so dass die Preise überall verfielen und zuvor schier unglaubliche Summen für die alltäglichsten Dinge gefordert wurden. Gerade in den Anfängen dieser Entwicklung verarmten zahlreiche Bauern und einfache Handwerker, viele starben sogar den Hungertod, weil sie die Waren die zuvor nur Kupfer oder Eisen kosteten, nicht in Silber oder Gold zu bezahlen vermochten. Doch die große Krise folgte verzögert, denn die Unmengen Gold, die im Umlauf waren, verfielen plötzlich großflächig und größtenteils zu wertlosem Dreck. Hatte jemand heute noch hunderte Goldmünzen, konnte er am nächsten Tag nur noch eine oder sogar gar keine mehr besitzen: Das Gold hatte sich buchstäblich aufgelöst. Armut griff um sich und große Unsicherheit, niemand vertraute mehr den Goldmünzen, die noch im Umlauf waren, aber längst waren die anderen Münzen so entwertet, dass kaum jemand sie noch besaß. Die Bekannte Welt fiel zurück in eine Zeit des Tauschhandels und er Gefälligkeiten. Es dauerte je nach Region bis zu fünf Jahre, bis es den Herrschenden gelang, wieder Münzen zu prägen, denen die Menschen vertrauten und selbst dann waren viele noch skeptisch.

 

Was war geschehen? Nun, ich halte dieses Debakel für die letzte der großen Verderbnisse, denn was hier gespielt wurde, kann nur das Werk eines der Altvorderen gewesen sein. Mein Studium der einschlägigen Schriften hat mir gezeigt, dass es sehr wohl in der Macht der Ewigen Veränderers oder des Gierigen Horters gelegen hätte, große Mengen falscher Goldmünzen in Umlauf zu bringen und diese schlagartig zu vernichten. Diese Verderbnis wäre demnach viel durchtriebener und hinterhältiger, als alle zuvor, denn sie stürzte die Menschen nicht durch Verderbnis und verderbte Heere ins Chaos, sondern durch einen Angriff auf das Instrument, das unsere Gesellschaften zusammenschweißt. Das Vertrauen ins Geld sichert unser Zusammenleben in Gemeinschaften, die viel größer sind als nur Dörfer und jene Goldkrise zerschlug es so plötzlich und umfassend, dass alle Reiche ins Wanken gerieten. Es bleibt wundersam, warum dieser Moment des Chaos von den dunklen Mächten nicht genutzt wurde, zu einem vernichtenden Schlag auszuholen, vielleicht ist dieser wundersam glückliche Zufall aber auch den Taten unbekannt gebliebener Helden zu verdanken, die das Schlimmste noch einmal abwenden konnten.

 

Die größte Lehre, die aus all dem gezogen wurde, war die magische Überprüfung von Münzen; fortan wurden nur Münzen angenommen, die kein Zeichen von Magie trugen. Eine Entwicklung, die das Geld bis in unsere Zeiten prägt. Bei all den Möglichkeiten, die reine und verderbte Magie bieten, würden wir ohne dies auch sonst kein Zahlungsmittel finden, dem wir vertrauen könnten. Keine große Zivilisation könnte bestehen.

 

Müssen wir die Antike nun, da wir die Goldkrise als Verderbnis erkannt haben, verlängern? Nein, denn es gibt andere Merkmale, die einen Epochenumbruch rechtfertigen. Mit meiner Erkenntnis möchte ich vor allem aufzeigen, dass die Verderbnisse kein geeignetes Mittel darstellen, historische Epochen zu begrenzen. Die Forschung wird aufzeigen, welche weiteren einschneidenden Ereignisse der Vergangenheit noch eine bislang unbekannten Verderbnis darstellen.